Gefälschte Punzen „Grachev“ und „Gebrüder Grachev“: Wie man eine Fälschung erkennt - AUCBURG | AUCBURG
Gefälschte Punzen „Grachev“ und „Gebrüder Grachev“: Wie man eine Fälschung erkennt
Antiquitäten mit den Punzen „Grachev“ und „Gebrüder Grachev“ erfreuen sich großer Beliebtheit, was Fälscher aktiv ausnutzen. Um zu lernen, wie man Fälschungen erkennt, muss man einige wichtige historische Fakten kennen, die als dokumentarisch belegte Axiome gelten.
Antiquitäten mit den Punzen „Grachev“ und „Gebrüder Grachev“ erfreuen sich großer Beliebtheit, was Fälscher aktiv ausnutzen. Um zu lernen, wie man Fälschungen erkennt, muss man einige wichtige historische Fakten kennen, die als dokumentarisch belegte Axiome gelten.
Die Geschichte der Firma ist untrennbar mit ihrem Gründer und seinen Erben verbunden. Das Verständnis der Chronologie hilft dabei, Unstimmigkeiten bei der Punzierung und Datierung von Objekten aufzudecken.
1873 – Tod des Firmengründers Gawriil Petrowitsch Grachev.
1889 – Die Erben eröffnen ihre erste eigene Juwelierwerkstatt und erhalten ihre Firmenpunze.
1896 – Die Firma „Gebrüder Grachev“ wird mit der höchsten Auszeichnung geehrt – dem Recht, das Staatswappen auf ihren Erzeugnissen und Punzen zu verwenden.
Authentische Punzen des Juweliers Grachev (1866–1873)
Punzen-Typ
Beschreibung
Punze Nr. 1
Erhabene Buchstaben „ГРАЧЕВЪ“ in einer rechteckigen Umrandung.
Punze Nr. 2
Eingetiefte Buchstaben „ГРАЧЕВЪ“ mit einer eingetieften monarchischen Krone, die oben mittig platziert ist.
Die Punzen, die der Firmengründer Gawriil Grachev persönlich verwendete, wurden in einem streng begrenzten Zeitraum – von 1866 bis 1873 – genutzt. Es gab nur zwei offiziell registrierte Varianten seines Meisterzeichens.
Alle anderen Variationen der Punze „Grachev“, die auf diesen Zeitraum oder eine spätere Zeit datiert sind, sollten Misstrauen erwecken, da nach dem Tod des Meisters sein persönliches Meisterzeichen nicht mehr verwendet wurde.
Authentische Punzen des Juweliers Grachev (1866–1873)
Authentische Punzen der Firma „Gebrüder Grachev“ (1889–1917)
Zeitraum
Beschreibung der Punze
1889–1896
Großbuchstaben „БР.ГРАЧЕВЫ“ mit einem Punkt nach „БР“.
1889–1917
Punze für kleine Erzeugnisse: Großbuchstaben in einer Zeile „БР. ГР.“ mit Punkten.
1896–1917
Großbuchstaben „БР.ГРАЧЕВЫ“ mit einem Punkt nach „БР“, in einem Rechteck eingeschlossen. Über der Inschrift befindet sich das Staatswappen (Doppeladler).
Nach der Eröffnung ihrer eigenen Werkstatt im Jahr 1889 begannen die Erben, die Firmenpunzen „Gebrüder Grachev“ zu verwenden. Auch diese Punzen hatten mehrere genehmigte Varianten, die sich im Laufe der Zeit änderten. Es ist wichtig, auf Details der Schreibweise, das Vorhandensein von Punkten und zusätzlichen Elementen wie dem Staatswappen zu achten.
Alle Punzen, die nicht den bestätigten Mustern aus den Nachschlagewerken entsprechen, sind als Fälschungen zu betrachten.
Authentische Punzen der Firma „Gebrüder Grachev“ (1889–1917)
Beispiel Nr. 1: Gefälschte Ikone „Christus Pantokrator“
Ein Beispiel für eine Fälschung ist eine Ikone „Christus Pantokrator“ aus dem 19. Jahrhundert in einem silbernen Oklad. In der Losbeschreibung ist die Punze „НГ“ angegeben, die der Verkäufer einem fiktiven Juwelier Nikolai Grachev, einem Hoflieferanten, zuschreibt. Einen solchen Meister gab es jedoch nicht.
Die Punze „НГ“ ist tatsächlich in Nachschlagewerken verzeichnet, gehört aber einem unbekannten Meister, der 1832 tätig war. Darüber hinaus gibt es in den Archiven des Forschers W.W. Skurlow eine Erwähnung eines Werkstattbesitzers namens Nikolai Grachev, der jedoch keine eigene Punze besaß.
Inkonsistenz in der Ikonographie: Auf der Ikone ist Christus Pantokrator frontal dargestellt, auf dem Oklad blickt er nach rechts.
Farbspuren an den Rändern der Öffnungen des Oklads, was darauf hindeutet, dass die Ikone erst nach der Herstellung des Oklads fertig gemalt wurde.
Fehler in der Schreibweise der altrussischen Buchstaben auf dem Nimbus.
Dieses Los ist eine grobe Fälschung, oder, wie man im Antiquitätenhandel sagt, „Fufliat“.
Beispiel Nr. 2: Massivsilbernes Messer mit gefälschten Punzen
Das nächste Los ist ein massivsilbernes Messer, das angeblich von der Firma „Gebrüder Grachev“ in den Jahren 1899–1908 hergestellt wurde. Bei genauerer Betrachtung zeigen sich zahlreiche Anzeichen einer Fälschung.
Auf der Klinge des Messers befindet sich eine erfundene, gefälschte Punze „БР.ГРАЧЕВЫ“ und eine gefälschte staatliche Punze. In der authentischen staatlichen Punze des Petersburger Punzierungsamtes aus dieser Zeit sollten die Initialen des Inspektors Jakow Ljapunow („ЯЛ“) hinter dem Nacken des Frauenkopfes stehen, hier sind sie jedoch anders platziert.
Darüber hinaus besteht das Messer aus zwei Teilen: einer Klinge und einem hohlen Griff, wobei die Punzen nur auf der Klinge angebracht sind. Die Metalloberfläche hat eine poröse Struktur, was typisch für galvanische Herstellung ist und nicht für Erzeugnisse aus massivem Silber. All dies deutet eindeutig auf eine Fälschung hin.
Beispiel Nr. 3: Zusammengestelltes Besteckset
Ein Besteckset für sechs Personen, das der Firma „Gebrüder Grachev“ zugeschrieben wird, ist ebenfalls eine Fälschung. Dieses Set ist ein „Sammelsurium“ – in identische Griffe sind Besteckteile mit unterschiedlichem Design eingesetzt.
Auf den Stücken befinden sich gefälschte Punzen. Erstens wird ein fiktives Meisterzeichen „Бр. Грачёвы“ verwendet. Zweitens entspricht die staatliche Punze dem Zeitraum 1908–1917, jedoch hätte ab 1897 auf den authentischen Meisterzeichen der Firma „Gebrüder Grachev“ bereits das Staatswappen vorhanden sein müssen.
Die Gesamtheit dieser Merkmale – das unterschiedliche Design der Gegenstände und die nicht zum historischen Zeitraum passenden Punzen – entlarvt dieses Set unverkennbar als Fälschung.
Manipulationen mit alten Löffeln
Oft nehmen Betrüger echte, aber stark abgenutzte und preiswerte Silbergegenstände, entfernen die Punzen unbekannter Meister und bringen gefälschte Punzen berühmter Firmen an, um deren Wert zu steigern. Ein Beispiel dafür sind ein Tee- und ein Kaffeelöffel, die als Erzeugnisse der Gebrüder Grachev zum Verkauf angeboten werden.
Beim Teelöffel war die Laffe fast flach geschliffen. Die alte Punze wurde entfernt und an ihrer Stelle ein gefälschtes Meisterzeichen angebracht. Der Kaffeelöffel weist ebenfalls Anzeichen einer Fälschung auf:
Poröse Metallstruktur am Schnitt der Laffe.
Spuren grober Dreharbeit.
Gefälschte Punzen „БР. ГР.“ und eine staatliche Punze, bei der die Nase des Mädchens auf der Abbildung an der Punzenkante „verschmiert“ ist.
Solche Manipulationen verwandeln alten Metallschrott in ein „Sammlerstück“ und täuschen die Käufer.
Grobe Fälschungen: Gelötete Gabeln und nicht existierende Punzen
Einige Fälschungen zeichnen sich durch eine besonders grobe Ausführung aus. Zum Beispiel ist eine „stabile Gabel“ von den „Gebrüdern Grachev“ aus zwei Teilen zusammengelötet. Im Russischen Reich wurden Gabeln durch Stanzen aus einem einzigen Stück Metall hergestellt und nicht gelötet. Auf der Gabel befinden sich gefälschte Meister- und staatliche Punzen.
Ein weiteres Beispiel ist ein Messer mit der nicht existierenden Punze „М. ГРАЧЕВЪ“ auf der Klinge. Eine solche Punze wurde nie verwendet. Ein anderes Messer hat eine gefälschte Punze „БРАТЬЯ ГРАЧЕВЫ“, die durch Säureätzung hergestellt wurde. Auf dem Griff desselben Messers befindet sich eine erfundene Variante des Meisterzeichens mit den Buchstaben „ГР“ oder „БР“.
All diese Gegenstände sind offensichtliche Fälschungen, die auf unerfahrene Käufer abzielen, die mit den Herstellungstechnologien und authentischen Punzen nicht vertraut sind.