Restaurierung des 400 Jahre alten 'Apostels': Die Wiedergeburt eines Buches von 1621 - AUCBURG | AUCBURG
Restaurierung des 400 Jahre alten 'Apostels': Die Wiedergeburt eines Buches von 1621
Zur Restaurierung kam ein einzigartiges Buch – der im Jahr 1621 gedruckte 'Apostel'. Zu Beginn der Arbeiten war sein Zustand kritisch: Der Einband war zerstört und die Seiten zerfielen buchstäblich in den Händen. Dieses Artefakt ist von besonderem historischen Wert, da es im frühen 17. Jahrhundert, noch vor der Kirchenreform des Patriarchen Nikon, gedruckt wurde.
Der 'Apostel' von 1621: Eine Einführung in die Reliquie
Zur Restaurierung kam ein einzigartiges Buch – der im Jahr 1621 gedruckte 'Apostel'. Zu Beginn der Arbeiten war sein Zustand kritisch: Der Einband war zerstört und die Seiten zerfielen buchstäblich in den Händen. Dieses Artefakt ist von besonderem historischen Wert, da es im frühen 17. Jahrhundert, noch vor der Kirchenreform des Patriarchen Nikon, gedruckt wurde.
Solche vorreformatorischen Ausgaben wurden später als Literatur der Altgläubigen betrachtet. Diese Bücher wurden verfolgt, aufgespürt und verbrannt, während die Altgläubigen sie versteckten und als Vorlagen für die Erstellung eigener handschriftlicher und gedruckter Kopien, bekannt als „Staropechatki“, verwendeten.
Es stand eine umfangreiche Arbeit zur vollständigen Wiederherstellung der Ausgabe bevor. Der Plan umfasste das Waschen und Reinigen jeder Seite, das Neubinden des Buchblocks und die Anfertigung eines neuen, der Epoche entsprechenden Einbands.
Vorbereitung zur Restaurierung: Erhaltung der Details
Die erste Phase der Arbeit am Buchblock war die Vorbereitung zum Waschen. Das Buch war bereits in zerlegtem Zustand angekommen, und es bestand die Möglichkeit, dass die Seiten vertauscht waren. Die Hauptaufgabe in dieser Phase war die Erhaltung aller historischen Details, einschließlich der Besitzvermerke, die zu verschiedenen Zeiten am Rand des Buches hinterlassen wurden.
Um zu verhindern, dass die Tinte während der Wasserbehandlung abgewaschen wird, wurde jede solche Inschrift sorgfältig mit einer speziellen Fixierlösung behandelt. Einige Notizen waren kaum lesbar oder teilweise unter Schichten alter Reparaturen verborgen, was besondere Aufmerksamkeit erforderte.
Dieser mühsame Prozess war notwendig, um alle Spuren der Nutzungsgeschichte des Buches zu bewahren, die ein nicht weniger wertvoller Teil seiner Geschichte sind als der Haupttext.
Vorbereitung zur Restaurierung: Erhaltung der Details
Reinigung der Jahrhunderte: Das Waschen der Seiten
Das Waschen ist ein wesentlicher Bestandteil der Restaurierung alter Bücher. Die Seiten des 'Apostels' wurden vorsichtig, in Stapeln, in ein Wasserbad getaucht. Dieser Prozess ermöglicht es, den über Jahrhunderte angesammelten Schmutz und säurehaltige Verbindungen, die das Papier zersetzen, zu entfernen.
Nur 15 Minuten nach dem Eintauchen des ersten Stapels von Blättern nahm das Wasser im Bad einen satten gelb-braunen Farbton an. Dies zeigt anschaulich, wie viel Schmutz das Papier in den 400 Jahren seines Bestehens aufgenommen hatte.
Der Vorgang wurde mehrmals mit Wasserwechsel wiederholt, bis die Seiten vollständig gereinigt waren. Danach wurden sie für die nächste Phase vorbereitet – die Einzelblattrestaurierung.
Reinigung der Jahrhunderte: Das Waschen der Seiten
Spuren der Vergangenheit: Untersuchung alter Reparaturen
Nach dem Waschen wurden die Seiten sorgfältig auf einem Leuchttisch untersucht. Dies enthüllte ein interessantes Detail: Das Buch war bereits in der Vergangenheit repariert worden. Auf einem der Blätter wurde eine Hinterklebung aus geripptem Papier des 18. Jahrhunderts entdeckt.
Diese Entdeckung belegt, dass das Buch bereits vor über zweihundert Jahren reparaturbedürftig war und weiterhin genutzt wurde. Alte Reparaturen wurden jedoch oft grob ausgeführt und verdeckten einen Teil des Textes. Im Zuge der modernen Restaurierung wurden all diese alten Flicken sorgfältig entfernt.
An den Stellen, an denen die alten Reparaturfragmente entfernt wurden, kamen Verluste des Originaltextes zum Vorschein. An einigen Stellen war zu sehen, dass frühere Besitzer versucht hatten, fehlende Buchstaben direkt auf das Reparaturpapier zu schreiben.
Spuren der Vergangenheit: Untersuchung alter Reparaturen
Archivdaten: Die Geschichte der Ausgabe des 'Apostels'
Parameter
Information
Datum des Druckbefehls
15. Februar 1620
Datum der Fertigstellung
2. Juli 1621
Druckort
Moskauer Druckerei
Meister
Den Handwerkern von Feofanow aus dem Nikitinskij-Stan
Setzer
Afanassi Petrow
Angegebene Auflage
1000 Expl.
Tatsächliche Auflage
1039 Expl.
Selbstkosten pro Exemplar (in Lagen)
25 Altyn 4 Denga (77 Kopeken)
Preis für einen einfachen Einband
8 Altyn 2 Denga (25 Kopeken)
Dank erhaltener Archivdokumente sind die genauen Details der Herstellung dieser Ausgabe bekannt. Der Erlass zum Druckbeginn datiert vom 15. Februar 1620, und das Buch selbst wurde am 2. Juli 1621 fertiggestellt.
Es ist bekannt, dass am 29. Juli 1621 600 Exemplare an die Münze (Denezhny Dvor) geschickt wurden und am 31. Juli weitere 420. Direkt in der Druckerei wurden 50 Exemplare des Buches gebunden.
Archivdaten: Die Geschichte der Ausgabe des 'Apostels'
Wiederherstellung des Buchblocks
Die Einzelblattrestaurierung ist eine der aufwendigsten Phasen. Jedes Blatt wurde einzeln behandelt: Fehlstellen in der Papiermasse wurden ergänzt, brüchige Ränder gefestigt und Risse geschlossen. Besondere Aufmerksamkeit galt den Seiten mit Gravuren und Vignetten.
Im Laufe der Arbeit stellte sich heraus, dass ein Blatt im Buch fehlte. Es wurde beschlossen, es mittels Ätzdruckverfahren nachzubilden. Dies ermöglichte die Anfertigung einer exakten Kopie der fehlenden Seite, wobei die Originalschrift und der zweifarbige Druck (schwarz und rot) wiederholt wurden.
Nach Abschluss der Restaurierung aller Blätter wurde ein Spezialist für Altdrucke hinzugezogen. Er half dabei, die korrekte Reihenfolge der Seiten wiederherzustellen, die bei früheren Reparaturen durcheinandergeraten war.
Wiederherstellung des Buchblocks
Anfertigung des neuen Einbands
Die Begutachtung ergab, dass der vorhandene Einband des Buches im 19. Jahrhundert angefertigt und die Schließen im 20. Jahrhundert angebracht worden waren. Da sie keinen historischen Wert besaßen und in schlechtem Zustand waren, wurde beschlossen, einen komplett neuen Einband zu schaffen.
Für die neue Konstruktion wurde eine klassische, der Epoche entsprechende Technologie gewählt. Der Buchblock wurde auf erhabene Bünde geheftet. Dies ist nicht nur eine authentische, sondern auch eine sehr haltbare Heftmethode.
Um den Rücken des Buchblocks vor direktem Kontakt mit dem Einbandleder und dem Leim zu schützen, wurde eine spezielle Konstruktion mit einem „hohlen Rücken“ geschaffen. Dies ermöglicht ein besseres Aufschlagen des Buches und verringert die Belastung der Heftung, was seine Lebensdauer verlängert.
Anfertigung des neuen Einbands
Prägung: Rekonstruktion des historischen Erscheinungsbildes
Für den Einband wurde ein spezielles Leder deutscher Herstellung mit der Bezeichnung „Antik“ ausgewählt. Es hat eine leicht raue, strukturierte Oberfläche, die sich ideal für komplexe Prägungen eignet und einen edlen, antiken Effekt erzeugt.
Das Design des Einbands wurde nicht willkürlich gewählt. Es wurde eine Recherche durchgeführt: In Archiven und elektronischen Katalogen wurden Abbildungen von Büchern aus derselben Epoche gefunden, die in der Moskauer Druckerei gedruckt worden waren. Auf der Grundlage dieser Vorlagen wurden mehrere Entwürfe entwickelt.
Die gewählte Variante umfasste sowohl Blind- als auch Goldprägungen. Im Zentrum des Vorderdeckels wurde das Emblem der Moskauer Druckerei platziert, und entlang des Randes verliefen komplexe ornamentale Rahmen, die für das 17. Jahrhundert charakteristisch sind.
Prägung: Rekonstruktion des historischen Erscheinungsbildes
Letzte Handgriffe: Schließen und Vorsätze
Die originalen Schließen des Buches waren ein späterer Ersatz aus dem 20. Jahrhundert und entsprachen nicht der Epoche. Daher wurde beschlossen, neue anzubringen. Zu diesem Zweck wurden exakte Messingkopien von Schließen aus dem 17. Jahrhundert angefertigt, die anschließend künstlich gealtert (patiniert) wurden.
Der Patinierungsprozess verlieh dem Metall das Aussehen von altem, mit der Zeit nachgedunkeltem Material. Dadurch wirken die neuen Schließen nicht wie ein Fremdkörper und fügen sich harmonisch in die Gesamtästhetik des Einbands ein. Sie schmücken das Buch nicht nur, sondern erfüllen auch ihre Funktion, indem sie den Buchblock geschlossen halten.
Für die Vorsätze – die Blätter, die den Buchblock mit dem Einbanddeckel verbinden – wurde altes Büttenpapier aus derselben Epoche wie das Buch selbst verwendet. Dies ermöglichte es, in allen Details maximale historische Authentizität zu erreichen.
Letzte Handgriffe: Schließen und Vorsätze
Ergebnis der Restaurierung: Die zweite Geburt des Buches
Nach monatelanger sorgfältiger Arbeit wurde die Restaurierung des 'Apostels' von 1621 abgeschlossen. Das Buch wurde aus einem halb zerstörten Zustand wieder zum Leben erweckt. Es hat nun einen stabilen und schönen Einband, der in den Traditionen des 17. Jahrhunderts gefertigt wurde.
Der Einband ist mit einer komplexen Gold- und Blindprägung verziert, mit dem Emblem der Moskauer Druckerei im Zentrum. Der Buchblock wurde vollständig gereinigt, restauriert und in der richtigen Reihenfolge zusammengestellt, einschließlich der nachgebildeten fehlenden Seite. Alle Besitzvermerke wurden erhalten.
In diesem Zustand kann das Buch noch viele Jahrhunderte aufbewahrt werden und seinen historischen und kulturellen Wert für zukünftige Generationen bewahren.
Ergebnis der Restaurierung: Die zweite Geburt des Buches