Ein Rätsel für Sammler: Originale oder kunstvolle Fälschungen?
Auf einer Online-Plattform kam es zu einer strittigen Situation bezüglich mehrerer Lose. Nachdem in öffentlichen Nachrichten auf Fälschungsmerkmale hingewiesen wurde, setzten die Verkäufer, ohne Argumente zu haben, den Verfasser der Nachrichten auf die schwarze Liste und stellten die Ware erneut ein. Dies ermöglichte es ihnen, kritische Kommentare zu entfernen und Informationen vor potenziellen Käufern zu verbergen.

Streit auf dem Marktplatz und das Urteil der Experten
Auf einer Online-Plattform kam es zu einer strittigen Situation bezüglich mehrerer Lose. Nachdem in öffentlichen Nachrichten auf Fälschungsmerkmale hingewiesen wurde, setzten die Verkäufer, ohne Argumente zu haben, den Verfasser der Nachrichten auf die schwarze Liste und stellten die Ware erneut ein. Dies ermöglichte es ihnen, kritische Kommentare zu entfernen und Informationen vor potenziellen Käufern zu verbergen.
In einem Fall verschwanden die Nachrichten über die Fälschung und die Antwort des Verkäufers unter dem Los. Anschließend wurden zwei umstrittene Gegenstände – ein silberner Becher und ein Löffel – zur Echtheitsprüfung im „Antik-Forum“ vorgestellt. Dort erkannten aktive Experten beide Stücke ohne jeden Zweifel als echt an.
Darüber hinaus identifizierte einer der Experten den Meister schnell als Itsko Lozinsky. Wahrscheinlich nutzte der Verkäufer den Link zu diesem Gutachten, um die Moderatoren des Marktplatzes von der Echtheit seiner Waren zu überzeugen, woraufhin die kritischen Nachrichten gelöscht wurden. Diese Situation schafft einen Präzedenzfall, der eine genauere Untersuchung der Gegenstände selbst erfordert.
Analyse des Silberbechers von 1883: Probleme mit der Punzierung
Der erste Gegenstand ist ein antiker Silberbecher des 84. Feingehalts, datiert auf das Jahr 1883. An seiner Seite, direkt im geschnitzten Muster, befindet sich die Punze des Moskauer Prüfamtes, das von 1883 bis 1886 tätig war. Bei genauerer Betrachtung zeigen sich jedoch erhebliche Abweichungen von den damaligen Punzierungsregeln.
Hauptmerkmale, die Zweifel an der Echtheit der Punzen aufkommen lassen:
- Es fehlt die obligatorische Punze des Prüfmeisters. Im Jahr 1883 bekleidete Viktor Savinkov dieses Amt, und seine Punze „В-С“ hätte vorhanden sein müssen.
- Es fehlt die Meistermarke des Juweliers. Gemäß den Regeln wurden die Punze des Prüfamtes und die des Meisters neben der Herstellermarke angebracht.
- Am Boden des Bechers befinden sich die Punze „84“ und die Meistermarke „ИЛ“, aber es fehlen erneut die Punzen des Prüfamtes und des Prüfmeisters.
Somit sind die Abdrücke, die die staatliche Qualitätskontrolle des Silbers bestätigen sollen, unter Verletzung der geltenden Regeln angebracht worden, was ein erster schwerwiegender Grund ist, die Echtheit des Gegenstandes anzuzweifeln.

Technologische Unstimmigkeiten des Bechers
Neben den Verstößen bei der Punzierung deutet auch die Herstellungstechnologie des Bechers auf eine Fälschung hin. Der Abdruck der Punze wirkt verschwommen, im Gegensatz zu den klaren Originalmustern aus derselben Zeit. Die Konturen der Buchstaben, Ziffern und Ränder der Punze sind unregelmäßig, und der obere Teil des Reliefbildes verschmilzt mit der Kontur. Der Boden des Abdrucks weist konvexe Metallhügel auf, was für eine Schlagpunze, die eine flache Oberfläche hinterlässt, untypisch ist.
Diese Merkmale deuten darauf hin, dass die Punze nicht durch Schlagen, sondern höchstwahrscheinlich als Teil einer galvanoplastischen Kopie hergestellt wurde. Darauf deutet auch die ungleichmäßige Patina in Form kleiner Punkte auf der gesamten Oberfläche hin. Wahrscheinlich wurde die Form für die Kopie von einem echten Gegenstand mit Punktmattierung abgenommen, die bei mangelhafter Herstellung zu einer hügeligen Oberfläche wurde.
An der Außenseite des Bechers sind in den feinen Details des Musters Spuren einer weißen Masse sichtbar – dies sind Reste des Materials der galvanischen Form. Die Punzen am Boden des Fußes weisen ebenfalls identische Verzerrungen in Form von konkaven Wänden auf, was auf eine Verformung der Kopierform selbst hindeutet.

Untersuchung des Salzschaufellöffels: Herstellungsfehler
Der zweite Gegenstand, der von den Experten als echt anerkannt wurde, ist ein antiker Salzschaufellöffel aus Silber des 84. Feingehalts mit Emaille. Die seit über 200 Jahren verwendete Technologie der Löffelherstellung durch Pressen gewährleistet eine vollständige Symmetrie des Produkts. Bei diesem Exemplar ist die Symmetrie jedoch gestört: Die linke und rechte Seite der Schaufel haben unterschiedliche Dicken.
Der innere Teil der Schaufel ist mit Lunkern bedeckt – Defekten, die für die Galvanoplastik typisch sind. Man versuchte, sie durch grobe mechanische Bearbeitung zu verbergen, deren Spuren deutlich sichtbar sind. Darüber hinaus sind im rechten Teil der Schaufel Reste einer Punze zu sehen, die ebenfalls versucht wurde, mit einem Schleifwerkzeug zu entfernen.
Die Außenfläche des Löffels und des Griffs ist mit einem Filigranmuster verziert. Jedoch fehlen die für diese Technik obligatorischen Lötspuren. Das bedeutet, dass das Muster nicht separat aufgelötet wurde, sondern Teil einer einstückig gegossenen Struktur ist, was ebenfalls auf eine Herstellung durch Kopieren und nicht nach traditioneller Juweliertechnik hindeutet.

Merkmale der gefälschten Emaille und Punzen
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Emaille. Echte Heißemaille ist ein farblich homogenes, glasartiges Pulver, das bei Absplitterungen seine Farbe in der gesamten Masse beibehält. Bei diesem Löffel wurde anstelle von Emaille billiges hellbraunes Epoxidharz verwendet, das oben mit abblätternder Farbe überzogen ist. An den Absplitterungsstellen ist das wahre Material sichtbar.
Der Meister, der die „Emaille“ auftrug, war unachtsam: Auf der Oberfläche blieben Klebstofftropfen und von ihm fixierte Reste der weißen Masse aus der galvanischen Form zurück, die nicht entfernt wurden. Diese Spuren sind in den Vertiefungen des Musters zu finden.
Die verschwommene gefälschte Punze auf dem Löffel kann aufgrund der schlechten Fotoqualität nicht im Detail diskutiert werden, ergänzt jedoch in Verbindung mit den anderen Merkmalen das Gesamtbild der Fälschung.

Schlussfolgerungen: Offensichtliche Merkmale oder Expertenmeinung?
Die aufgeführten Fälschungsmerkmale an beiden Gegenständen stellen die kurzen und selbstbewussten Schlussfolgerungen der Experten des „Antik-Forums“ über deren Echtheit in Frage. Zahlreiche technologische Verstöße, Unstimmigkeiten bei der Punzierung und die Verwendung nicht authentischer Materialien deuten direkt darauf hin, dass der Becher und der Löffel Fälschungen sind, die mittels Galvanoplastik hergestellt wurden.
Die Innenfläche des Bechers und des Löffels weist deutliche Spuren mechanischer Nachbearbeitung auf, die unternommen wurde, um Gussfehler zu verbergen. Es gelang nicht, diese Spuren auf dem zähen und plastischen reinen Silber durch anschließendes Polieren zu verbergen, was unwiderlegbare Beweise hinterließ.
Somit ergibt sich ein Rätsel: Was ist entscheidend bei der Zuschreibung eines Gegenstandes – eine detaillierte technologische Analyse oder das kurze Urteil einer Gruppe von anerkannten Experten? Anhand der dargelegten Fakten und der vorgestellten Fotos kann man selbst zu dem Schluss kommen, ob diese Lose in die Kategorie Antiquitäten fallen oder Fälschungen sind.
