Schund im Antiquariat: Wie man Fälschungen auf dem Antiquitätenmarkt erkennt - AUCBURG | AUCBURG
Schund im Antiquariat: Wie man Fälschungen auf dem Antiquitätenmarkt erkennt
Der Antiquitätenmarkt ist überschwemmt von zusammengebastelten Fälschungen und regelrechtem Schund. Die Hauptaufgabe eines Antiquitätenhändlers besteht daher nicht nur darin, die Raffinesse eines Objekts zu bewundern, sondern auch darin, Fälschungen an Details zu erkennen, Material- und Technologie-Inkonsistenzen aufzudecken sowie versteckte Restaurierungsspuren zu identifizieren.
Die Gefahr von Fälschungen auf dem Antiquitätenmarkt
Der Antiquitätenmarkt ist überschwemmt von zusammengebastelten Fälschungen und regelrechtem Schund. Die Hauptaufgabe eines Antiquitätenhändlers besteht daher nicht nur darin, die Raffinesse eines Objekts zu bewundern, sondern auch darin, Fälschungen an Details zu erkennen, Material- und Technologie-Inkonsistenzen aufzudecken sowie versteckte Restaurierungsspuren zu identifizieren.
Kürzlich ereignete sich eine Geschichte, die dieses Problem verdeutlicht. Ein Verkäufer trat auf mit dem Angebot, eine Sammlung persönlicher Gegenstände von Adolf Hitler zu verkaufen. Die Gegenstände wurden angeblich in einem Bankschließfach aufbewahrt, und der Verkäufer konnte nur Fotos und ein Echtheitszertifikat vorlegen. Der Wert des Sets wurde auf 10 Millionen Rubel geschätzt.
Die Herkunft der Sammlung wurde damit erklärt, dass ihr Besitzer ein „sehr seriöser Mann“ sei, der die Gegenstände von der Enkelin des Marschalls Schukow erworben habe. Es wurde behauptet, der Marschall habe die Gegenstände persönlich für seine Sammlung aus Hitlers Arbeitszimmer ausgewählt, weshalb Fälschungen ausgeschlossen seien.
Die Expertise der „Hitler-Uhr“
Bei genauerer Betrachtung der Fotos zeigten sich jedoch zahlreiche Ungereimtheiten, die auf eine grobe Fälschung hindeuteten. Eine detaillierte Analyse der Uhr offenbarte viele Merkmale einer stümperhaften Herstellung.
Das Gehäuse war grob gefertigt, vermutlich in einer Garagenwerkstatt.
Die Rückseite des Uhrwerks war schief ausgesägt.
Die Aufzugsfedern waren aus Teilen anderer Uhren zusammengesetzt.
Da die Federn kein Gehäuse hatten, wurde stattdessen eine grobe Stahlklammer angebracht.
Auf den Rahmen des Uhrwerks war mit einem Dremel eine Abbildung graviert, die ein Reichsadler sein sollte, aber eher einem „kranken Pterodaktylus“ ähnelte.
Zusätzlich befand sich auf der Uhr ein abgenutztes Papier mit einer französischen Aufschrift, was für einen persönlichen Gegenstand Hitlers, angesichts seiner Betonung nationaler Identität, äußerst seltsam anmutet. Das Musikwerk, das angeblich eine Wagner-Melodie spielte, sah auf dem Foto dem Inneren eines einfachen Kinderspielzeugs sehr ähnlich.
Die Dolche von Hitler und Mussolini
Das Set enthielt auch Dolche, die Adolf Hitler zugeschrieben wurden, und ein Bajonett, das ihm angeblich von Benito Mussolini geschenkt worden war. Die Dolche entpuppten sich als zwei gewöhnliche österreichisch-ungarische Jagdmesser in schlechtem Zustand. Ihre „Zugehörigkeit“ zu Hitler versuchten die Betrüger zu betonen, indem sie Initialen auf Klinge und Parierstange anbrachten. Dabei berücksichtigten sie nicht, dass Hitler ein eigenes Monogramm mit ineinander verschlungenen Buchstaben hatte.
Ein Paradebajonett eines deutschen Polizisten, das als Geschenk von Mussolini identifiziert wurde, war ebenfalls mit gefälschten Initialen verziert. Die Geschichte, wie der geschenkte Gegenstand wieder in das Arbeitszimmer des Führers gelangte, sorgt nur für Verwirrung.
So erhalten ganz gewöhnliche Gegenstände durch das Anbringen der Initialen berühmter Persönlichkeiten eine neue Provenienz, und ihr Wert steigt für unkundige Käufer erheblich. Hochrangigen Personen, die von ihrer eigenen Bedeutung überzeugt sind und ihre Einkünfte verbergen möchten, werden oft solche Fälschungen verkauft, da sie sich nicht an die Polizei wenden.
Die Dolche von Hitler und Mussolini
Silberfälschungen auf Online-Auktionen
Emaille-Art
Beschreibung
Heißemaille
Hat eine glasähnliche Struktur. Es ist hart, und es ist unmöglich, mit einer Nadel eine Spur darauf zu hinterlassen.
Kaltemaille
Besteht aus einem Zweikomponenten-Epoxidharz mit Farbstoff. Nach dem Aushärten bleibt es elastisch und kann mit einer Nadel durchstochen werden.
Fälschungen sind auch auf Online-Plattformen häufig anzutreffen. Zum Beispiel wurde ein Satz Löffel mit Punzen des Russischen Reiches aus dem 19. Jahrhundert vorgestellt, die reich mit Emaille verziert waren. Die Gegenstände wurden bei eBay von einem Verkäufer mit positiven Bewertungen erworben. Allerdings war die Qualität ihrer Herstellung für das 19. Jahrhundert ziemlich mittelmäßig.
Auf den Löffeln sind unbearbeitete Gussnähte und Spuren von ungleichmäßig verteiltem Metall deutlich sichtbar. Dies ist ein wichtiges Zeichen für eine Fälschung, da in echten Werkstätten Löffel nicht gegossen, sondern mit einer starken Presse gestanzt werden, weshalb keine Gussspuren vorhanden sein können.
Auch die Emaille erwies sich als Fälschung. Um echte Heißemaille von einer Fälschung zu unterscheiden, ist es wichtig, ihre Eigenschaften zu kennen.
Die Emaille auf den Löffeln war schief aufgetragen, mit verlaufenden Spuren, was typisch für „Kaltemaille“ ist. Dies ist ein weiteres klares Zeichen für eine Fälschung.
Zusammengesetzte Objekte und falsche Punzen
Auf Online-Auktionen findet man auch sogenannte „zusammengesetzte“ Objekte. Ein Beispiel ist ein „antiker russischer Silberlöffel zum manuellen Sieben von Zucker“. Dieses Objekt ist aus zwei völlig unterschiedlichen Teilen zusammengesetzt: dem Griff eines zerbrochenen Löffels und einem Sieb, an das schief ein Halter gelötet wurde.
Neben den konstruktiven Ungereimtheiten wird die Echtheit des Objekts durch unverständliche Inschriften und das Fehlen einer Punze in Frage gestellt. Als silbern kann man es nur bedingt bezeichnen, weil es glänzt.
Ein weiteres Beispiel ist ein Teelöffel, der in der Beschreibung als „Zuckerlöffel“ bezeichnet wurde. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gab es Zucker in Stücken, Kristallzucker kam erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf, daher wurden solche Löffel für Tee verwendet. Auf der Laffe dieses Löffels sind die Muster mit Epoxidharz gefertigt, und die Punze sowie der Meisterstempel wurden durch Ätzen aufgebracht, was an den schiefen, durch Säure verzerrten Buchstaben und Zahlen zu erkennen ist. Dies stellt den angegebenen Edelmetallgehalt des Stücks in Frage.
Figur mit gefälschtem Fabergé-Stempel
Ein weiteres anschauliches Beispiel für offensichtlichen Schund ist eine „Vintage-Figur einer französischen Bulldogge aus 925er Sterlingsilber mit Emaille aus der Zarenzeit“. Allerdings wurde der 925er Feingehalt in der UdSSR erst nach 1970 eingeführt, und als „Sterling“ wird Silber mit einem Feingehalt über 900 bezeichnet. Dabei trägt das Objekt selbst die Punze 88.
Hinsichtlich der Metallverarbeitung erinnert die Skulptur eher an einen Schlüsselanhänger von AliExpress, der auf einen Sockel montiert und mit farbigem Epoxidharz überzogen wurde. Der Meisterstempel „Fabergé“ mit schiefen Buchstaben wurde ebenfalls durch Ätzen aufgebracht und hält keiner Kritik stand.
In den Rubriken für antikes russisches Silber auf eBay ist mindestens jeder dritte Artikel eine Fälschung. Der Strom solchen Schunds wird durch Sanktionen eingedämmt, aber in Zukunft könnte er den heimischen Markt überschwemmen. Da antike Waren vom Umtausch und der Rückgabe ausgeschlossen sind, sollte man vorsichtig sein und Gegenstände nur dort kaufen, wo es finanzielle Echtheitsgarantien gibt.